FERNWEH | Montenegro

Schwarze Berge

Ralph Sobetz ist mit seinen Kumpels in der einsamen Bergwelt Montenegros auf Spurensuche gegangen und hat dabei eine Landschaft entdeckt, die wohl einzigartig innerhalb Europas sein dürfte. Text: Ralph Sobetz, Fotos: Ralph Sobetz und Peter Adrigan.

FERNWEH | Montenegro

Montenegro – schwarze Berge, das hört sich so wild und fern an. Nach einem Tauchurlaub am Roten Meer blickte ich gebannt aus dem Flugzeug. Tief unter mir sah ich eine ganz

und gar atemberaubend einsame Bergwelt. Schnee­bedeckte Bergketten, zerfurcht von Gipfeln und Graten, unterbrochen von dämmerigen Schluchten, aus deren Grund hellblaue Flüsse heraufschimmerten, sowie baumlose, braunweiß gescheckte Hochweiden. Dazwischen eingestreut spärlich dünne Wege, einsame Weiler und Almen, das Glitzern eines Sees, und dann wieder schneebedeckte Berge bis in den blauen Dunst – der Balkan.

Zu Hause am Wohnzimmertisch begann dann die Suche nach den weißen Flecken auf einer alten Jugoslawienkarte, und wenige Monate später brachen Gunther und ich mit unseren Africa Twins auf. Die Folgen waren ein am Kofferträger verrenktes Bein, das aussah wie ein zwölf Wochen altes Steak, ein verrenkter Magen infolge des Genusses eines solchen, eine krankenhausreif angetretene Heimfahrt sowie ein Kettenriss auf der Autobahn mit zerfetztem Getriebedeckel, aus dem sich ein Ölvorhang ergoss, was zu einer zwölfstündigen Etappe von Kotor nach Graz beziehungsweise einem lauschigen Abend im zentralkroatischen Hinterland führte. Sprich, das enduristische Glück war grenzenlos und die Rückkehr bereits auf der Heimreise im Auto fix geplant.